15 Tipps für Kinderbe­treuung im Corona-Homeoffice

In der aktuellen Corona-Krise kommen vor allem Eltern und Kinder an ihre Grenzen. Die Eltern müssen Homeoffice, Kinderbetreuung und Homeschooling unter einen Hut bringen. Oft auf engstem Raum verbringt man nun nahezu 24/7 mit Partner und Kind(ern). Das geht an die Substanz und legt Nerven blank. Den Kindern wiederum fehlt es an Bewegung, sozialen Kontakten in einer prägenden Zeit und auch an geistigen Herausforderungen. Wie gelingt der Balanceakt zuhause? Wir haben wertvolle Tipps gesammelt, damit Vater, Mutter, Kind auch noch nach Corona eine Familie mit Einkommen sind. 

Dieser Artikel basiert auf wahren Fakten aus dem Leben von Kerstin – Kollegin, Teilzeit-Mutter, Wein-Liebhaberin.

Vorab: Kerstins Kinder leben noch. Ein Grund dafür ist vermutlich Kerstins Humor, ihre Kreativität und Geduld. Kerstins Nerven stellen auf die Probe: 2 Töchter (4 und 10 Jahre), 1 Kater, 1 Ehemann. In Text und Ton teilt sie ihre Überlebensstrategie.

ME-TIME

First things first: Unseren Kindern ist nicht damit geholfen, wenn wir selbst am Stock gehen und nach der Krise als nervliche Wracks aus unseren Häusern oder Wohnungen kriechen. Daher ist es wichtig, dass wir Eltern uns eigene Zeiten alleine einräumen. Sport, Meditation, Lesen, mit Freunden telefonieren, ein Glas Wein mit dem Partner genießen – die Beispiele für Me- oder Us-Time sind so vielfältig wie es die Ansprüche und Umstände sind.
  • 1. Tipp: Früher aufstehen

Am Anfang mag es anstrengend sein, aber der Mensch ist ja bekanntlich ein Gewohnheitstier: Steht eine halbe Stunde früher auf, bevor die Kinder kreischend auf euch herumtrampeln und nutzt die Zeit für euch.

  • 2. Tipp: Qualitatives fernsehen
Habt kein schlechtes Gewissen, das Kind bzw. die Kinder vielleicht mal ein bisschen häufiger vor den Fernseher zu setzen. Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen – da muss man auch mal abwägen, was das kleinere Übel ist: Frontalbeschallung des elektronischen Babysitters oder frontale Schellen endgenervter Eltern.
  • 3. Tipp: Online-Unterhaltung

Der elektronische Babysitter kann noch mehr: Denn auch online gibt es unzählige unterhaltende wie bildende Angebote für Kinder. Besonders beliebt: die digitale Sportstunde von ALBA Berlin für Kinder aller Altersklassen. Zwischen 20 und 60 Minuten können die Kinder hampeln, strampeln, sporteln, zwischen 20 und 60 Minuten können die Eltern arbeiten, aufräumen, pausieren. Aber es gibt noch so viel mehr – es scheint gar, dass Corona ganze Quarantäne-Kinderwelten ins Netz gezaubert hat. Wir haben euch mal eine kleine Auswahl zusammengestellt:

  • 4. Tipp: Facetime und Skype
Auch die Kleinsten wollen ihr soziales Umfeld in Corona-Zeiten pflegen, sie machen es nur anders als wir. Von lange Videokonferenzen mit Freunden oder Großeltern, die uns eine Oase der Ruhe verschaffen, können wir nur träumen. Die Aufmerksamkeitsspanne der Kids liegt bei der neudeutschen ViKo zwischen 1 und 10 Minuten. Trotzdem: “Geh mal mit der Oma skypen”…und ihr könnt zumindest mal schnell duschen oder einatmen-ausatmen. 

HOMESCHOOLING UND HOMEOFFICE

Home sweet Home, das war einmal. Jetzt sind die eigenen vier Wände plötzlich zu Mikro-Schulen und -Büros mutiert. Die sonst so oft verfluchten Pädagogen werden diese Tage zu Helden, wohingegen unser eigenes Selbstbewusstsein täglich tiefer in den Keller rutscht. Wie war das doch gleich mit Multiplikation, Prozentrechnung, Dativ oder Akkusativ? Dann doch lieber schnell ins “Büro”aka Wohnzimmer, wo wir – nicht – ungestört unserer Tätigkeiten nachkommen können, bei der wir uns wenigstens einigermaßen auskennen.  
  • 5. Tipp: Tagespläne
Struktur ist alles: Tagespläne sind nicht nur für uns Eltern wichtig, um unsere beruflichen To-Do-Listen und Videokonferenzen einhalten zu können. Auch für die Kinder sollte der Tag gut geplant sein. Schließlich gibt es ohne Corona ja auch feste Abläufe. Macht also einen Stundenplan für zuhause: Von wann bis wann werden Schularbeiten gemacht, wann essen wir gemeinsam, wann wird gespielt, wann unternehmen wir was zusammen, wann ist Papa, wann ist Mama euer Ansprechpartner*in. Ihr braucht es “quick and dirty”? Hier gibt es Beispielpläne:

P.S.: Verplant die Tage nicht zu sehr. Es braucht auch Raum für Kreativität und persönliche Entfaltung. Denn wer weiß: Vielleicht schlummern in euren Kindern ja kleine Genies. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
corona kinderbetreuung
  • 6. Tipp: Stundenplan für Homeschooling

A propos, Genies und zurück auf den Boden der Tatsachen: Die traurige Wahrheit ist, dass nur ca. 2 % der Menschen hochbegabt sind und einen IQ über 130 haben. Also ist es auch okay, den Homeschooling-Perfektionismus mal in Corona-Quarantäne zu stecken. Fakt ist, die meisten von uns sind keine Pädagogen, trotzdem müssen wir unsere Kinder hochwertig bilden. Das ist doch an sich schon ein Parodoxon. Wir raten: erstellt einen Stundenplan mit Flexzeiten. Wer ist besser in Mathe? Mama? Dann erklärt sie Algebra. Und Papa kann fließend Englisch? Well, it’s his turn. Wenn das Kind möchte, kann es z. Bsp. die Mathestunde auch auf den Nachmittag schieben oder Tage tauschen. Wichtig ist ein Wochenziel und eine kleine Belohnung, wenn alles ohne allzu große Ausraster erreicht wurde.

  • 7. Tipp: KiTa zuhause

“Die KiTa hat gar nicht geschlossen. Sie ist nur viel kleiner geworden und findet jetzt bei uns zuhause statt.” Gründet gemeinsam mit euren Kids einen eigenen Kindergarten mit bekannten Routinen. So könnt ihr zum Beispiel jeden Tag mit einem Morgenkreis beginnen: Welchen Tag haben wir heute (btw: hilft auch uns Erwachsenen in dieser Zeit ungemein), welche Jahreszeit ist gerade (“Ist das noch Frühling oder schon Sommer?”), was machen wir heute… 

  • 8. Tipp: Rhythmus Arbeit/Kind

Macht es doch mal anders als die anderen: Sich Homeoffice und Kinderbetreuung mit dem Partner tageweise aufzuteilen kann – fast – jeder. Wie wäre es mal mit einem abwechselnden Rhythmus am Tag? 90 Minuten Arbeit, 90 Minuten Kinder und die Zeit vergeht wie im Flug. Und wenn wir ehrlich sind: unsere Aufmerksamkeitsspanne hält sowieso nicht länger an.

  • 9. Tipp: Work-Life-Balance

Was für die meisten von uns schon lange ein Kraftakt ist wird nun, da nur noch eine dünne Wand Arbeits-, Kinder- und Wohnzimmer trennt, zu einer Mammutaufgabe. Aber für post-Corona ohne Burn-out ist es wichtiger denn je: Zieht Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit! Besprecht eure Erreichbarkeit mit dem Arbeitgeber und redet offen über den möglichen Druck, den ihr verspürt. Schafft handyfreie Zeiten und/oder Zonen ein, für euch, aber auch für die Kinder, deren Blick sonst irgendwann vor lauter Ping und Aufleuchten auf dem Smartphone-Display erstarrt.

DRINNEN UND DRAUSSEN

Wie deprimierend wäre diese Zeit des Social Distancing, wenn es Bindfäden regnen würde. Aber immerhin ist der Wettergott gnädig und so können wir uns seit Kontaktsperre und geschlossenen Schulen am warmen Sonnenschein und Freigang in kleinem Kreise erfreuen. Die Aktivitäten draußen sind unbegrenzt und bieten unzählige Möglichkeiten die Kinder abends erschöpft aber glücklich ins Bett zu bekommen. Und sollte es doch mal regnen: Drinnen gibt es viele kreative Ideen für die geistige Auslastung fernab von Homeschooling.
  • 10. Tipp: Basteln & backen
Nun ist Ostern zwar schon vorbei, aber der nächste Geburtstag, die nächste Hochzeit oder irgendein Namenstag kommt bestimmt. Nutzt die Zeit zuhause und bastelt mit den Kindern was das Zeug hält. So haltet ihr sie beschäftigt und produziert Geschenke auf Vorrat. Euch gehen die Ideen aus? Auch in diesem Fall werdet ihr online fündig. Zum Beispiel könnt ihr euch bei Pinterest Inspiration holen und diese auf einer Pinnwand festhalten. Schon mal einen Topfuntersetzer aus Bügelperlen für Oma gemacht? Gute Ideen findet ihr aber auch hier:
  • Bastelanleitungen und Spiele beim KiGaPortal
  • Zum Selbermachen gibt’s ne ganze Seite auf KiKA
  • Oder einfach eine Lava-Lampe selber basteln

Ach, und Material gibt es nicht nur bei Amazon! Die Bastelläden in euren Städten liefern oder haben sich andere kreative Möglichkeiten überlegt, wie ihr an den Stoff kommt.

  • 11. Tipp: An die frische Luft

Drinnen wird die Luft zu dick? Die Decke kommt dem Kopf bedrohlich näher? Wann immer möglich, lasst die Kids raus ins Freie. Ob mit oder ohne Garten – macht mindestens einmal am Tag einen Ausflug. À la Social Distancing natürlich alleine als Familie. Legt am Besten vorher gemeinsam fest, was ihr unternehmen wollt. Hier ein paar Anregungen: Immer gut sind sportliche Aktivitäten, wie Radfahren oder Rollschuhlaufen. Für die Gemütlichen: Packt die Hängematte und ein Picknick ein und sucht euch ein schönes Plätzchen im Wald. Aber auch kleine Entdecker können auf ihre Kosten kommen: Sucht und findet Herzformen in der Natur, zählt Marienkäfer und ihre Punkte, schreibt mit Kreide Fragen auf die Straße und wartet auf Antworten. Wie wäre es mal wieder mit eine Schnitzeljagd oder dem guten alten Spiel “Ich sehe was, was Du nicht siehst?”

SENSIBILITÄT UND DANKBARKEIT

Zum Schluss wird es dann doch etwas ernster, da kommt man wohl in diesen Tagen nicht umhin. Denn wenn man die Nachrichten einschaltet, wird einem bewusst, wie gut es uns vergleichsweise noch geht in einer Welt mit Corona. In Spanien, Ecuador, New York, im Iran – überall explodieren die Schreckenszahlen in die Höhe. Und diese Informationen müssen wir sensibel an unser Kinder weitergeben und ihnen gleichzeitig Sicherheit vermitteln. Das gelingt mit Empathie, Demut und Dankbarkeit. 
  • 12. Tipp: Sensibel erklären

Kinder reagieren unterschiedlich auf verschiedene Situationen. Aber sie alle merken, dass Corona auch ihr Leben verändert und als ein mysteriöses Virus eine unterschwellige Gefahr darstellt. Die Besuche bei Oma und Opa sind tabu, Menschen laufen mit Masken rum, man darf nicht mehr auf Spielplätze oder Freunde treffen. Umso wichtiger ist es, mit aller Sensibilität verständlich und altersgerecht Corona und die aktuellen Einschränkungen zu erklären. Hilfreich sind da auch Kinderprogramme wie LOGO (ab ca. 6 Jahren). Filtert, welche Nachrichten an die Kinder gehen, bewahrt sie vor allem vor Fake News und Panikmache. Jetzt heißt es für die Eltern: ruhig bleiben und auf Fragen jederzeit verständnisvoll eingehen. Und auch hier gilt die goldene Regel: Besprecht eure eigenen Ängste und Sorgen nicht vor euren Kindern.

  • 13. Tipp: Journaling für Kids

Betreibt Journaling für Kinder, um den Tag vor dem Schlafen gehen zu verdauen. Denn aktuell prasselt viel auf die Kleinen ein. Besprecht abends im Bett, wie der Tag war. Was war nicht so gut? Was war wunderbar? Wie könnten wir es besser machen? Was wünscht du dir? Was wünscht sich Mama, was wünscht sich Papa? Wofür sind wir dankbar? Und dann können Kompromisse für den nächsten Tag gefunden werden, wie “Mama, darf 15 Minuten Pause machen, ohne gestört zu werden. Dafür kochen wir morgen Pudding oder dafür darfst du morgen mit ganz viel Schaum baden oder dafür darfst du 15 Minuten länger aufbleiben…”

  • 14. Tipp: Selbstreflexion

Die Zeit zuhause kann auch helfen, über sich selbst und die Familie zu reflektieren und an den Herausforderungen zu wachsen: Warum haben wir Kinder bekommen? Was kann unser Nachwuchs genau jetzt von uns lernen? Wie möchte ich, dass sich meine Kinder in dieser Situation verhalten? Was lernen sie für die Zukunft?

  • 15. Tipp: Dankbar sein

Seid dankbar! Das klingt verrückt in einer Zeit, in der man sich um Gesundheit, Job, Bildung der Kinder und so vieles mehr sorgt? Natürlich kann man sich ärgern über diesen dämlichen Virus und all das, was er mit sich bringt. Aber wenn man es mal aus einer anderen Perspektive betrachtet, so genießen viele Kinder diese absehbare Zeit zu Hause mit der Familie. Und den meisten von uns geht es vergleichsweise gut. Wenn ihr also mal wieder an den alten Leiern eures Partners verzweifelt, schickt gute Gedanken und Wünsche an diejenigen, die keinen Partner an ihrer Seite haben; wenn ihr das Telefonat im Garten führen müsst, weil drinnen die Kinder kreischen, denkt an die Menschen, die mit ihren Kindern in kleinen Stadtwohnungen leben; wenn ihr wieder zwischen Arbeit und Mittagessen jonglieren müsst, haltet kurz inne und seid dankbar, dass ihr einen Job habt und gesund zu Mittag kochen könnt. 

Autorin

Alice Berger

Alice Berger hat zwar keine Kinder, dafür aber einen Hund. Gepaart mit dem täglichen Input ihrer – mit Kind und Kegel ausgestatteten – Schwestern, Freunden und Mitarbeitern ist sie täglich Zeugin der elter­lichen An­streng­ungen in deutschen Haus­halten. Nach diesem Artikel zollt sie den Familien da draußen noch mehr Respekt und weiß ihr störungsfreies Homeoffice zusätzlich zu schätzen.

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